Schließ für einen Moment die Augen. Es ist früh, das sanfte Licht von Asunción fällt durch die Palmen. Die Stadt erstreckt sich vor dir, und auf dem Platz weckt das Rascheln von Eiswürfeln den Morgen. Du näherst dich: Unter einem Sonnenschirm füllt eine Tererera Thermoskannen mit Eiswasser. Wenige Schritte weiter haben sich Freunde bereits in einem kleinen Kreis versammelt; in der Mitte wartet ein Guampa auf den ersten Schluck. So beginnt das Tereré immer: mit einer fast stummen Einladung.

In den Fußstapfen der Guarani
Einer Legende zufolge wählten die Guarani vor langer Zeit in der brütenden Hitze der Wälder Flusswasser für den Anbau von Yerba Mate . Im Schatten der Bäume wurde der kalte Aufguss zu einer selbstverständlichen Geste: Erfrischung, Flüssigkeitszufuhr und Zusammenkunft. Jahrhunderte später ist dieses Ritual bis heute erhalten geblieben: Das Getränk wird herumgereicht, und mit ihm Geschichten von Familien, Jahreszeiten und Reisen.

Der Kreis
Wir setzen uns dorthin, wo das Gespräch beginnt. Der Cebador füllt, kostet und gibt den Guampa beim ersten Blick zurück. Sag nicht zu früh „Gracias“ : Dieses Wort beendet die Runde, und du bist noch nicht bereit, den Kreis zu verlassen. Hier gibt es keine Hierarchien oder Grenzen: Wir teilen dasselbe Getränk, dieselbe Erfrischung, dieselbe Zeit.
Das diskrete Orchester der Kräuter
In der Thermoskanne sorgt eine Handvoll Blätter für den besonderen Pfiff: Menta'i für Frische, Cedrón für verdauungsfördernde Süße, Burrito für sanfte Ruhe. Jedes Zuhause hat sein kleines Kräuterrezept, jede Familie ihre eigene Note. Das Rezept variiert je nach Tageszeit, Wetter und Stimmung.
Das Geheimnis des Wassers
Es muss spritzig , fast beißend sein. Wir wechseln es alle zwei, drei Runden, um die Frische des Getränks zu erhalten. Der Moment hat sein eigenes Klima: Steigt die Hitze, wird die Unterhaltung langsamer, aber das Getränk bleibt frisch, klar und beständig.
Tereré & heißer Mate: zwei Zubereitungsarten derselben Pflanze
Heißer Mate begleitet mich an gemütlichen Morgenstunden, beim Lesen, bei vertraulichen Gesprächen. Tereré liebt Plätze, Terrassen, Bewegung. Das eine wärmt die Seele, das andere kühlt das Herz. Gemeinsam zeichnen sie eine Landkarte des Alltags – vielleicht deine, die noch erfunden werden muss.
Du bist schon da
Stell dir vor: ein warmer Metallstuhl, ein sich drehender Schatten, ein Lachen, das den Tag erhellt. Die Guampa kehrt zurück, der Strohhalm klappert am Rand, und du schmeckst das feine Menthol des ersten Schlucks. Du bist nicht länger nur auf der Durchreise: Für einen Moment gehörst du dazu.
Was, wenn dich das Ritual bis nach Frankreich verfolgt?
In Paris, in Nantes, an der Atlantikküste – der Kreis schließt sich von Neuem. Ein dickes Glas genügt, eine Edelstahlkaraffe hält die Getränke länger kühl und lässt sich blitzschnell reinigen. Das Wesentliche bleibt gleich: der Kreis, das fließende Wasser, das Gespräch, das sich Zeit nimmt.
Weiterlesen (um von der Geschichte zur Handlung zu gelangen)
← Der praktische Leitfaden (Ausrüstung, Temperaturen, Schritt-für-Schritt-Anleitung): Alles über Tereré: ein umfassender Leitfaden
← Geschmacksideen in 2 Minuten: 5 Tereré-Rezepte
Um die Tradition fortzuführen
Der Charme klassischer Formen → Traditionelle Kalebassen
Mein Favorit: Guampa Pajarito
Moderne Variante, die Dinge kalt hält: Edelstahl-Kürbisse .
Was wäre, wenn jeder Schluck zu einer kleinen Reise würde? Alles, was man dazu braucht, ist ein Kreis, eine Thermoskanne, ein Guampa… und ein paar gemeinsame Minuten.